Schweizerischer Berufsverband für Medizinphysikerinnen und Medizinphysiker
      Association Professionnelle Suisse des Physiciens Médicaux
    Associazione Professionale Svizzera dei Fisici Medici
  Swiss Professional Association of Medical Physicists

Der Medizinphysiker [1]

Der Medizinphysiker ist ein hochqualifizierter Wissenschaftler und arbeitet heute auf fast allen Gebieten der Medizin mit dem Arzt als Partner zusammen, am offensichtlichsten in den drei "klassischen" Gebieten Radioonkologie (Strahlentherapie), Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin. Er trägt gemeinsam mit dem Arzt die Verantwortung für die korrekte Behandlung und die Gesundheit des Patienten.


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Die Aus-, Weiter- und Fortbildung eines Medizinphysikers

Der Beruf des Medizinphysikers ist ein Beruf mit universitärer Ausbildung. Der Medizinphysiker ist ein diplomierter Physiker mit einem Nachdiplomstudium in Medizinphysik. Das Nachdiplomstudium dauert in der Regel zwei Jahre und wird z.B. an der ETH Zürich angeboten.

Im Anschluss daran oder begleitend erfolgt eine 3-jährige Weiterbildung an einem Spital oder damit assoziierten Institut. Die Weiterbildung wird mit dem Fachtitel "Medizinphysiker SGSMP" in der entsprechenden Fachrichtung (derzeit in medizinischer Strahlenphysik oder medizinischer Bildgebung) abgeschlossen. Die gesamte Weiterbildung muss unter Verantwortung und Aufsicht eines Mentors (Inhabers des Fachtitels) erfolgen. Der Fachtitel wird vom Schweizer Berufsverband für Medizinphysikerinnen und Medizinphysiker in Form der Fachanerkennung verliehen.

Alternativ zum Nachdiplomstudium ist es derzeit möglich, unter Betreuung eines Mentors den Inhalt des Nachdiplomstudiums während der 3-jährigen Weiterbildung in Form von Kursen, Seminaren und Arbeiten abzudecken.

Nur ein Medizinphysiker mit Fachtitel darf eigenverantwortlich Tätigkeiten im Zusammenhang mit Humanpatienten ausführen.

Der Medizinphysiker SGSMP ist verpflichtet, zur Erhaltung und Verbesserung seiner Qualifikation und Berufskompetenz seine Kenntnisse und Fähigkeiten durch kontinuierliche Fortbildung zu vertiefen, zu erweitern und zu verbessern. Die Überprüfung und damit die Erneuerung der befristeten Fachanerkennung erfolgt durch die Vergabe von Fortbildungspunkten im Rahmen eines Punktesystems.


Die "klassischen" Aufgabengebiete

  • Strahlentherapie:
    Die Behandlung mit ionisierenden Strahlen ist neben der Chirurgie das wichtigste Behandlungsverfahren bei Tumorerkrankungen. Jeder zweite Krebspatient unterzieht sich heute, oft in Verbindung mit anderen Behandlungsmethoden wie Chirurgie und Chemotherapie, einer Strahlentherapie.
    Bei der Strahlentherapie arbeiten Medizinphysiker mit Fachanerkennung (FA) und Ärzte Hand in Hand: Das Behandlungskonzept wird vom Facharzt für Strahlentherapie, die strahlentherapeutische Methode gemeinsam, die klinische Umsetzung (Planung) und die korrekte Anwendung des Therapievorhabens am Patienten vom Medizinphysiker FA verantwortet. Der Medizinphysiker überprüft insbesondere die Patienteneinstellungen am Therapiegerät sowie die Expositionsparameter zur Sicherstellung einer korrekten Dosimetrie und ist verantwortlich für in vivo Dosimetriemessungen am Patienten.
    Die Komplexität der Strahlenbehandlungen wird sich durch die Einführung von schonenderen und effizienteren Bestrahlungsverfahren (Intensitätsmodulierte Strahlentherapie, Protonentherapie) weiter erhöhen und die Aufgaben und Verantwortung des Medizinphysikers FA erweitern.
    Um den Aufgaben und der Verantwortung eines Medizinphysikers FA in der Strahlentherapie in kompetenter Weise und in vollen Umfang gerecht zu werden, hat die Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Gesundheit, sowohl in der Strahlenschutzverordnung (Art. 74) als auch in der Verordnung für medizinische Elektronenbeschleuniger (Art. 19) Entsprechendes verordnet, um die Qualität der medizinischen Versorgung heute und in Zukunft sicherzustellen. Ebenso ist auch die direkte Beteiligung des Medizinphysikers bei intraoperativen Brachytherapien (z.B. der Prostata) bereits heute Voraussetzung zur Erteilung der Bewilligung durch die Aufsichtsbehörde.
    Zusätzlich zu den erwähnten Aufgaben, ist der Medizinphysiker für die Evaluation und Anschaffung von Therapieanlagen (auch andere als die Bestrahlungsanlagen in der Radiotherapie) und deren ökonomischen Einsatz verantwortlich.

  • Röntgendiagnostik:
    Die Hauptaufgaben in der Röntgendiagnostik beinhalten den Strahlenschutz von Patient und Personal und die Qualitätssicherung. Dazu gehören die Optimierung des Strahlenschutzes bei medizinischer Strahlenexposition, die Verantwortung für die Dosimetrie bei der interventionellen Radiologie sowie die Ermittlung und Überwachung von Referenzwerten in der Röntgendiagnostik. Eine umfassende Qualitätssicherung ist weiter Voraussetzung für eine zuverlässige Diagnosestellung; auch hier übernimmt der Medizinphysiker Verantwortung für das Wohl des Patienten.

  • Nuklearmedizin:
    Der Medizinphysiker in der Nuklearmedizin ist verantwortlich für den technischen und organisatorischen Strahlenschutz (Kontrolle von Aktivitätsabgaben an die Umwelt, Personendosimetrie), für die Qualitätssicherung, Messdatenverarbeitung sowie im Rahmen der Radionuklidtherapie für die Berechnung der Applikationsaktivität und für die Mikrodosimetrie bei neuen therapeutischen Verfahren mit Augerelektronen oder Alphateilchen.

  • Patientenberatung:
    Der mündige Patient ist heute durch moderne Medien meist sehr gut über seinen Gesundheitszustand und die angebotenen Therapie- und Behandlungsmöglichen informiert. Bei den physikalisch und technisch teilweise sehr aufwändigen und komplexen Methoden und Verfahren kommt dem Medizinphysiker in der Beratung des Patienten neben dem Arzt eine bedeutende Rolle zu.


Weitere Aufgabengebiete des Medizinphysikers

Weitere Aufgaben des Medizinphysikers im Bereich der Krankenversorgung, der Forschung und in verwandten Gebieten sind:

  • Magnetische Resonanzverfahren in der Medizin:
    In der diagnostischen Bildgebung gehören die Magnet-Resonanz-(MR)-Verfahren zum Standard als wichtige und vielseitig einsetzbare Methode. Neben der verbreitesten Anwendung, der anatomischen Bildgebung, lassen sich mit der MR-Technik auch funktionelle und biochemische Informationen über den menschlichen Körper gewinnen.
    Zu den Aufgaben eines Medizinphysikers gehören die Programmierung von Aufnahmesequenzen, die Erstellung von Auswerteprogrammen sowie die Aufnahme von MR-Spektren und deren Auswertung. Zusätzlich unterstützt er das medizinische Personal bei der Messung und ist auch für die Qualitätskontrolle der MR-Anlage zuständig.

  • Medizinische Ultraschalldiagnostik und -therapie:
    Der Medizinphysiker stellt die Patientensicherheit bei diagnostischen und therapeutischen Anwendungen des Ultraschalls in der Medizin sicher. Die Erarbeitung von Schwellwerten für den unbedenklichen Einsatz des Ultraschalls in der Diagnostik und die Aufklärung von biologischen Wirkungen des Ultraschalls gehören zu den Aufgaben des Medizinphysikers.

  • Audiologie und Medizinische Akustik:
    Diese Fachrichtung beschäftigt sich mit der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Hörstörungen und dient mittelbar und unmittelbar der Krankenversorgung. Der interdisziplinäre Charakter der Audiologie erfordert die enge Zusammenarbeit des Medizinphysikers mit Medizinern, Physiologen, Pädagogen usw. Der Schwerpunkt der Tätigkeit von Medizinphysikern in der Medizinischen Akustik ist derzeit noch in der Forschung angesiedelt und spielt in der Krankenversorgung deswegen noch eine untergeordnete Rolle.

  • Medizinische Optik:
    Das wichtigste Teilgebiet der Medizinischen Optik ist die Optik und Informationsverarbeitung des visuellen Systems. Beispiele hierfür sind die therapeutische und die diagnostische Anwendung des Lasers in der Augenheilkunde.

  • Laseranwendungen in der Medizin:
    Neben den Anwendungen in der Augenheilkunde werden Laser v.a. im Bereich der „minimal-invasiven Chirurgie“ eingesetzt. Medizinphysiker sind hier vorwiegend im Bereich Forschung und Entwicklung involviert.

  • Physikalische Messtechniken in der Medizin:
    Das Aufgabenspektrum des Medizinphysikers reicht von komplexen Versuchsaufbauten in der Biomechanik über die Entwicklung von physikalischen Sonden und Sensoren zur Gewinnung von Daten in der Biologie und der Medizin bis hin zur Anwendung von Komponenten der Laser- und Hochenergiephysik.

  • Rechtsmedizin:
    Auch in der Rechtsmedizin kommt der Medizinphysik, neben der Medizin und der Forensik zentrale Bedeutung zu (z. B. in der objektiven Belegung medizinisch festgestellter Traumata und der Rekonstruktion von raum-zeitlichen Geschehensabläufen).


[1]In diesem Dokument wird bei Personenbezügen zur Erleichterung der Lesbarkeit die männliche Form verwendet.